11. Saarbrücker Gesundheitsgespräche

eHealth und elektronische Vernetzung in der medizinischen Versorgung


Am 9. September fanden im Casino des Klinikums die diesjährigen Gesundheitsgespräche statt. EHealth- das Thema ist nicht neu. Mehr als zehn Jahre ist es inzwischen her, dass das Thema elektronische Vernetzung im Gesundheitswesen vom Gesetzgeber angestoßen wurde. Doch was mit der Vision einer elektronischen Patientenakte begann, wich schnell der Skepsis.

Obwohl technische Entwicklungen in vielen Bereichen der Medizin eine gewichtige Rolle spielen, steckt die Vernetzung der Leistungserbringer untereinander immer noch in den Kinderschuhen.

Die 11. Saarbrücker Gesundheitsgespräche wollten daher vor allem diejenigen zu Wort kommen lassen, die bereits Erfahrungen auf diesem Gebiet gesammelt haben.

Zunächst begrüßte BARMER GEK Landesbereichleiter Michael Keck die Gäste aus Politik und Ärzteschaft sowie Vertreter von Krankenkassen und Kliniken.

Gesundheitsministerin Monika Bachmann machte in ihrem Grußwort die Chancen einer Entwicklung deutlich, in der die beiden Megatrends “Digitalisierung“ und “Gesundheit“ aufeinander treffen: so zum Beispiel die große Hoffnung auf eine verbesserte Versorgung durch individuelle Therapien bei onkologischen Erkrankungen.

Der Vorsitzende der KV Saarland, Dr. Gunter Hauptmann, erstaunte das Publikum, als er demonstrierte, wie viel technisches Gerät der Arzt von heute mit sich führen muss, um eine moderne Praxis betreiben zu können. Er widersprach dem Eindruck, die Ärzte würden beim Projekt eGK blockieren. Für die Kollegen sei vielmehr wichtig, kein „Bürokratieerfüllungsgehilfe“ zu sein , stattdessen sollten medizinische Anwendungen mit Nutzen für den Patienten in den Vordergrund rücken.

Volker Roschansky legte dar, wie die Uniklinik RWTH Aachen mit der elektronischen Fallakte den Anforderungen an einen modernen strengen Datenschutz Genüge leistet. Die Verteilung von Berechtigungskompetenzen und eine angemessene Beteiligung des Patienten seien Fragen, die geklärt werden müssen, ohne dabei einen reibungslosen Ablauf des Klinikalltages zu beeinträchtigen. Vielversprechendes Potential für die Zukunft sah Roschansky in der virtuellen Visite im Bereich der Intensivmedizin.

BARMER GEK- Landesgeschäftsführerin Dunja Kleis stellte mit dem Arzt- und Krankenhausnavi zwei Informationsangebote für Versicherte vor, deren Ziel es ist, dem zunehmenden Bedarf an unabhängigen Verbraucherschutz durch mehr Transparenz im Gesundheitswesen Rechnung zu tragen. Beide Portale bereiten Qualitätsinformationen schnell und übersichtlich auf, um den Patienten eine verlässliche Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu stellen.

Dass das Innovationspotential von internetbasierten Therapien gerade auch für die Behandlung von Kindern genutzt werden kann, zeigte sie mit der „App auf Rezept“, einem exklusiven Angebot der BARMER GEK, mit dem Kinder spielend besser sehen lernen.

Mit den juristischen Fallstricken des Themas setzte sich abschließend Sven Lichtschlag-Traut, Fachanwalt für Medizinrecht der Sozietät Heimes und Müller, auseinander. Schnell einen Arztbrief mit SIRI diktieren oder eine nützliche App runterladen? Vorsicht, hier drohen haftungsrechtliche Konsequenzen. Ein Arzt sei gut beraten, genau zu überlegen, welchen technischen Anwendungen er Vertrauen schenkt, denn er trage eine hohe Sorgfaltspflicht, dass diese auch ordnungsgemäß funktionieren und entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen angewendet werden.

Nadine Jäger BARMER GEK