Die saarländische Ärzteschaft sagt NEIN zum geplanten Großkraftwerk in Ensdorf!

Die saarländische Ärzteschaft sagt NEIN zum geplanten Großkraftwerk in Ensdorf!
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrte Damen und Herren Minister! 

Die Delegiertenversammlung des Saarländischen Ärzte-Syndikats hat am 28.06.07 einstimmig beschlossen, der Landesregierung folgende Resolution zuzuleiten:  

Die saarländische Ärzteschaft sagt NEIN zum geplanten Großkraftwerk
                                             in Ensdorf!   

Die RWE plant in Ensdorf ein neues Doppelblock – Steinkohlekraftwerk von 2 x 800 Megawatt Leistung. Dies wäre das größte Kraftwerk seiner Art in der gesamten Bundesrepublik.

Systemimmanent fallen bei der Verbrennung von Steinkohle verschiedene Abfallprodukte an, die gesundheits- und umweltschädlich sind.  Hauptschadstoffe sind vor allem CO², SO², NOx, CO, Staub, Asche, Metalle, org. Verbindungen und Abwärme.

Bei der Kapazität des geplanten Kraftwerks fallen entsprechend gigantische Mengen an Schadstoffen an.
Die WHO hält, aus Gründen der Gesundheitsvorsorge, 5 µg/m³ lungengängigen Schwebstaub gerade noch für tolerabel. Der Grenzwert in der Schweiz beträgt 20µg/m³, in Deutschland 40µg/m³. An den Messstationen in Dillingen und Völklingen werden jetzt bereits Jahresmittelwerte von 19 – 22µg/m³ gemessen. Bezogen auf die WHO Kriterien leben die Menschen im Saarland schon heute in einem hoch belasteten Gebiet! 

Bis zu 700 Tonnen Feinstaub im Jahr zusätzlich zu der bereits bestehenden Feinstaubbelastung im Saarland bedeuten eine Zunahme von Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen bei der saarländischen Bevölkerung.

Die Sterblichkeitsrate dieser Erkrankungen korreliert mit der Feinstaubbelastung und wird daher ebenfalls steigen. Reizgase wie SO² und NOx werden darüber hinaus die Atemwege der Bevölkerung schädigen. Die hohe Asthma- und Allergierate im Saarland wird weiter ansteigen. Chronische Krankheiten werden zunehmen. 

Besonders betroffen werden die saarländischen Kinder sein, deren Atemwege während der Entwicklung und Ausreifung bereits dauerhaften Schaden durch zusätzliche Mengen von Umweltgiften erleiden müssen.  

Mehrere Millionen Tonnen CO² im Jahr würden zukünftig von Ensdorf aus in unsere Atmosphäre gelangen. CO² ist bekanntermaßen Hauptverursacher des Treibhauseffektes.Es wirkt schon zynisch, wenn in Heiligendamm die G8 Staaten über einen Weg aus der CO² Belastung unserer Umwelt verhandeln, der Bundestag sich für besseren Klimaschutz einsetzt und im Saarland gleichzeitig das größte Kohlekraftwerk der Republik in Planung ist. 

Hinzu kommt, dass die Abwärme, die bei der Verbrennung entsteht, nicht genutzt wird. Das Kühlwasser soll mit etwa 30 Grad Celsius in die Saar geleitet werden.  Die Wärmebelastung der Atmosphäre (Alterationen der regionalen Wetter- und Klimabedingungen?) und der Gewässer bewerten Umweltmediziner als problematisch. 

Die saarländische Ärzteschaft tritt ein für die Gesundheit der saarländischen Bevölkerung!Wir sagen NEIN zu weiterer vermeidbarer Luftverschmutzung, NEIN zu vermeidbarer Schwermetallbelastung unseres Bodens und der Gewässer, NEIN zu vermeidbarem saurem Regen, NEIN zu vermeidbarem Treibhauseffekt! 

Wir sagen NEIN zu einem Kohlekraftwerk dieser Größenordnung, welches der Gesundheit der Bevölkerung wissentlich Schaden zufügt. 

                                      „Saarland – Kinderland“ ?
                                                 So nicht! 

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident, die saarländische Ärzteschaft ersucht Sie dringend, dieses Großprojekt der Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschädigung im Saarland zu stoppen.    


Mit freundlichen Grüßen  

gez.                                                               gez.  
San.Rat Dr. Kurt Jörg                                      Dr. Sigrid Bitsch
Vorsitzender                                                   Stellv. Vorsitzende